Aus den Bergen in die Dünen

Nach dem letzten Beitrag sind wir doch noch länger als gedacht an unserem Freistehplatz geblieben. Die Aussicht und die Ruhe waren einfach zu schön! Und mit unserem kleinen Zwacki wirds sowieso nie langweilig.

Um kurz vor 12 beschlossen wir, zu Fuß zu erkunden, wohin die Straße denn noch weiter führen würde (und ob noch ein besserer Platz gekommen wäre…). Auf einem Hügel in der Nähe erspähten wir Wildpferde.

Wie das so ist, wenn man mal eben kurz ein paar Meter gehen will und nichts mitnimmt, wird aus so einem Spaziergang gleich eine längere Geschichte. Simon wollte gerne noch zu dem Gipfel hoch, ich eigentlich umdrehen, weil es schon ein bisschen tröpfelte und ich nur mäßig begeistert war, mit Baby auf einer Motocross Strecke entlangzuwandern. Vorteil der Bikes ist, dass man sie aber schon lange vorher hört und insgesamt sind auch nur ein Quad und ein Bike langsam an uns vorbeigefahren, weil sie uns rechtzeitig gesehen hatten.

Die Natur und überhaupt die ganze Szenerie auf der Tour um den Gipfel herum (rauf konnte man doch nicht) war toll und es war so grün und duftete so gut!

Um halb 2 waren wir wieder am Bus und die Raubtierfütterung stand an. Schon praktisch, dass wir tatsächlich den Ikea Hochstuhl mitgenommen haben. Den brauchen wir im Gegensatz zum Kinderwagen fast täglich.

Da wir kein Brot mehr hatten gab es für uns Spiegelei mit Speck und Käse. Tipp: geräucherten Provolone in der Pfanne kurz anbraten, da lass ich jedes Raclette stehen!

Da die Batterie dann doch irgendwann leer war und der Kühlschrank wieder abzutauen drohte, mussten wir unseren Platz dann gegen räumen. Mittlerweile ging die Sonne wieder mit voller Kraft am Himmel zu Werke und es war einfach nur viel zu warm. Simon hat trotzdem ganz tapfer in einem der nächsten Bergdörfer 2 Kanister Wasser geholt, da das Wasser langsam zur Neige ging.

Nach einem Platz für die Nacht suchten wir zunächst westlich von Oristano, wo laut Buch die schönsten Strände sind mit Sand groß wie Reiskörner. Naja. Also den ersten Stellplatz haben wir gleich links liegen lassen, da waren viele Kiter und es war sehr windig.

Beim zweiten Platz haben wir zumindest kurz überlegt, ob wir bleiben. Johannes hatte zum ersten mal die kleinen Fussis im Wasser.

Aber wir fuhren weiter Richtung Costa Verde, wo es wieder grüner und nicht mehr so flach sein soll. Einen Zwischenstop im Supermarkt haben wir noch schnell eingelegt. Praktisch, dass die auch Sonntagabend um 6 noch offen haben.

An dieser Stelle sei kurz die Kinderliebe der Italiener genannt, die uns schon mehrfach aufgefallen ist. Johannes wird ganz oft angelacht und kriegt Komplimente, aber viele tätscheln ihn halt auch einfach ohne zu fragen. Das macht in Deutschland niemand. Aber ist ja auch nicht schlimm.

Kurz vor Aboreas entschieden wir spontan rechts abzubiegen, wo es Richtung Meer ging und wo wir dann unseren Nachtplatz fanden. Ein kleiner Strand voller „Filzkugeln“ (wir haben immer noch nicht rausgefunden, was es wirklich ist – weiß es von euch jemand?) mit ganz vielen leeren Parkplätzen und sogar einem Restaurant, wo wir gerne Pizza gegessen hätten.

Da die Küche aber leider erst um 8 aufmacht, blieben wir nur auf ein Getränk, weil Johannes dann unleidig wird und überhaupt gab es auf der Karte keine Pizza. Musste Simon doch wieder kochen.

Leider mussten wir die Tür schnell wieder zumachen, weil die Mücken in Scharen unterwegs waren. Am hinteren kleinen Fenster hingen teilweise 3 gleichzeitig am Moskitonetz. Es fing dann in der Nacht ziemlich zu regnen an und kühlte zum Glück auch gut runter. Am Morgen war zwar alles nass draussen, aber die Luft war herrlich und wir sind noch kurz zu dem Pinienwald hinter uns gelaufen. Stehen bleiben, um Fotos zu machen war eher schlecht, hatte man doch gleich wieder 5 Mücken an einem Bein. Die 4 Stiche, die mich die Fotos dann doch gekostet haben, warens mir aber wert. Es juckt eh schon überall, da kommt es auf ein paar mehr Stiche auch nicht an.

Ein faszinierender Ort und wir würden sofort wieder hier übernachten. Ich kann aber verstehen, wenn jemand sagt, das wäre nichts für ihn.

Bis wir aufbrachen war es dann irgendwie auch schon wieder 11 und regnete nochmal, also keine Eile. Weiter ging es in Richtung Costa Verde, schön dem Navi nach, über schmale Straßen, total eingewachsen, durchs Agrarland um Arborea.

Im Womoführer war schon gestanden, dass es eine „Abkürzung“ gibt, wenn man Glück hat. Eine Art Schleusendamm 900m lang, breit genug für ein Womo und eventuell nicht immer offen. Als wir dort ankamen, frustrierte uns erst mal ein Durchfahrt verboten Schild und ich war schon im „hatte ich doch Recht und wären wir bloß außen rum gefahren“-Modus. Simon machte ein paar Fotos.

Aber ein deutsches Womo, das aus der anderen Richtung kam, meinte ach des geht schon, müssen wir halt schauen vorher, ob was kommt.

Long story short: Simon ist mit gefühlt 100 Sachen entgegen der Fahrtrichtung diese schmale Einbahnstraße langgefetzt. Uffz. Kam natürlich keiner. Weil hier gar nix los ist. War aber spannend. Man muss aber auch dazu sagen, dass wir uns damit ca. 30km Umweg gespart haben. Und überhaupt waren auf der anderen Seite Flamingos. Gut gemacht!

Wir fuhren zunächst zur Nordspitze der Costa Verde, wo wir gleich für wann anders einen super Freistehplatz erspähten.

Einen Mittagspauseplatz fanden wir aber erst weiter südlich an der Küste, leider nicht an den ganz tollen Plätzen, da die den Bimobilen und Unimogs vorbehalten waren, die die ausgeschwemmten Wege runterfahren konnten. Wir machten trotzdem Mittagspause und die Raubtierfütterung konnte auch draußen stattfinden. Neben uns kamen zwei VW Busse mit zwei netten Familien an, die wir kurze Zeit später nochmal treffen würden.

Nach der Mittagspause ging es nämlich weiter in Richtung der Wanderdünen, die eigentlich nicht mehr weit weg waren. Wenn man allerdings von Norden her kommt, muss man zwei Flüsse furten und manchmal gehts und manchmal nicht. Die geteerte Straße hört dann auf und man fährt eine recht steile Straße hinunter und kann schon die Dünen sehen.

Die erste Furt war sehr flach und kein Problem. Trotzdem spannend. Die zweite Furt war eine andere Hausnummer. Nachdem er barfuß durchgelaufen war, beschloss Simon, dass wir umdrehen würden. Zu tief, zuviele große Steine, die das Auto beschädigen könnten. Also beschlossen wir, eine Kaffeepause zu machen und zu Fuß vor zu den Dünen zu laufen. Aber dann kamen die beiden VW Busse an. Die wollten auch durch die Furt. Also alle Mann ins Wasser, schauen was geht. Ein älteres Ehepaar, die zu Fuß unterwegs waren, meinten das geht schon, man solle sich aber rechts halten. Also ist der erste VW Bus mit Schmackes voraus und hatte keine Probleme. Der zweite wollte danach immer noch lieber umdrehen, war aber ein bisschen unter Zugzwang „Papa wir schaffen das doch auch, wenn der andere durchkommt“. Auch für ihn war es kein Problem. Und nachdem ein anderes kleineres Auto aus der Gegenrichtung ohne lang rumzutun einfach durchfuhr, wagten wir es auch.

Gut gegangen und der Unterboden war auch wieder sauber. Gleich danach kam eine große Gruppe Rennradfahrer an, die alle ihre Schuhe auszogen und die Räder durchtrugen. War witzig.

Und dann waren wir schon vorne an den Dünen, wo Simon sich erst Mal mit einem Bierchen von dem Abenteuer erholen musste. Da es sehr windig war, hatten wir es auch noch nicht so eilig, zum Meer vorzulaufen.

Als wir dann doch soweit waren, war am Fluss eine große Kuhherde aufgetaucht, was für ein Anblick!

Das Meer vorne war aber auch schön und um einiges wilder, als wir es bisher auf Sardinien erlebt haben. In einer der zwei kleinen Strandbars genehmigten wir uns noch ein kaltes Getränk, bevor aus dem Nichts eine Grundschulklasse einfiel und wir das Weite suchten. War auch ein bisschen frisch geworden.

Noch einen Schlenker zu den alten Loren gemacht, die schon seit Ende des Bergwerkbetriebs 1940 hier rumstehen.

Den Stellplatz haben wir wegen des Windes noch ein Stück nach hinten verlegt, um im Windschatten eines großen Busches zu stehen. War gut! Und die Kühe sagten auch noch Hallo, als wir kochten.

Die Nacht war mäßig, da ich mich dreimal im Handylicht auf Moskitojagd begeben musste und daher nicht so gut geschlafen habe.

Heute werden wir übrigens die Westküste verlassen und an die Ostküste rüberfahren, wo es noch ein paar schöne Wanderungen geben soll. Aber vorher brauchen wir dringend Wasser, das ist nämlich schon auf Reserve!

Und hier gehts zum Abschlussblog

3 Gedanken zu “Aus den Bergen in die Dünen

  1. Sina schreibt:
    Avatar von Sina

    Unsere Reiseleitung hat uns gestern aufgeklärt, was es mit diesen „Filzkugeln“ auf sich hat. Ich dachte, dass sie wie Kokosnüsse aussehen, es ist aber Seegras, das im Herbst und Winter über die Insel bzw. den Strand gepustet wird und sich nach und nach zu Kugeln formt. Auf Menorca wird das Seegras im Sommer an den Badestränden an die Seite geschoben und im Winter wieder verteilt, damit die starken Nordwinde den Sand nicht davontragen. Im Gegensatz zu Mallorca, das das Seegras entsorgt, muss Menorca nach dem Winter keinen Sand zukaufen, um die Strände wieder aufzufüllen. Das ist intelligenter Umweltschutz, oder? Reisen bildet 😁
    Habt noch einen wunderschönen Urlaub und kommt gesund wieder!
    ¡Un beso!

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