Anreise
Gerade einmal drei Wochen vor den Ferien haben wir uns entschlossen, dass wir Ostern doch gerne nach Sardinien wollen und die Fähre gebucht. Die Anreise ist tatsächlich immer ein bisschen abschreckend, aber wir haben es geschafft mit einer Übernachtung neben einem schönen Park in Affi und so waren wir dann am Samstag Nachmittag um drei rum am Meer nahe Pisa. Dort war der Strand noch komplett voller Treibholz und Müll, aber das hatte irgendwie auch was. Danach ging es weiter nach Livorno in den uns schon bekannten, riesigen Supermarkt, um Abendessen und Proviant zu kaufen und dann zum Fährhafen, wo uns die Polizei schon fast Ärger machen wollte, weil sie dachten dass E‘s Pass abgelaufen ist, aber ich hab ihnen dann gezeigt, dass der mehrere Seiten hat… 🫣





Auf jeden Fall waren wir recht weit hinten in der Schlange und es dauerte ziemlich lange, bis wir an Bord fahren durften. Aber genug Zeit fürs Abendessen. Im Vorhinein hatten wir schon per Email Bescheid bekommen, dass die Fähre wegen rauer See nicht in Golfo Aranci, sondern in Olbia anlegen würde. Joa. Kaum sind wir losgefahren, konnte ich mich schon nicht mehr auf den Beinen halten und befürchtete das Schlimmste. Zum Glück waren wir schon in unserer Kabine mit Doppelbett und im Liegen war das Geschaukel eher auszuhalten. Aber grenzwertig. J und Simon waren noch kurz an Deck und haben richtig gesehen, wie das Schiff sich über die Wellen rauf und runter schiebt.



In der Nacht wurde es dann aber besser und ein sonniger aber windiger Tag erwartete uns in Sardinien. Das erste Cornetto und Cappuccino gabs noch an Bord bevor wir anlegten. Irgendwie hatten wir uns aber ein falsches Parkdeck gemerkt und sind dann viel zu spät runter, nämlich erst als wir ausgerufen wurden und so durften wir dann unten im Schiff wenden, weil das andere Parkdeck schon heruntergelassen worden war. 🫣 Einziges Womo weit und breit auf der Seite – wenn es nicht so pressiert hätte, wäre das sicher ein cooles Foto gewesen…
Tag 1
Mit knapp einer Stunde Verspätung fuhren wir um kurz vor 9 Uhr morgens bei Sonne und Wind in Olbia von der Fähre. Simon hatte kürzlich bei Insta einen tollen Spot gesehen, den wir 20 Minuten später schon erreichten und erst mal ganz für uns allein hatten. Ein traumhafter weißer Sandstrand und einige Kletterfelsen nebendran samt kleiner windgeschützter Bucht und sogar ein kleiner Küstenwanderweg, auf dem man noch zwei Strände weiter wandern kann. Hier bleiben wir den ganzen Tag, sammeln Muscheln und Steinchen, trinken Tee (3 von 4 sind recht erkältet), lesen und genießen das Angekommensein auf der Insel. So kann’s gerne weitergehen.









Tag 2
Wir wachen pünktlich um 6 zu einem herrlichen Sonnenaufgang auf und haben den Platz immer noch ganz für uns. Wir gehen es gemütlich an und freuen uns, dass der Wind nachgelassen hat. J klettert zwischen den Felsen herum, Simon sammelt alten Müll ein. Um kurz vor halb 11 brechen wir auf und wollen im Inland eine kleine Wanderung zu einer Nuraghe und einem anderen alten „Steingedöns“ gehen. Aber der Weg war leider umsonst, wie vieles andere hat das an Ostern wohl auch noch zu… sowohl der Parkplatz, als auch der Eingang zu den Steinen…
Wir fahren wieder zurück nach Olbia und zum großen Supermarkt, weil wir unsere vorletzte Tasse gebrochen haben und auch so noch ein paar Sachen brauchen können. Dann geht es weiter zum Porto Taverna, wo wir einen schönen Zwischenstopp einlegen. Wir haben den Parkplatz gewählt, der mit einem langen Bohlenweg mit dem Strand verbunden ist und durch ein tolles Vogelbeobachtungsgebiet geht. Wir entdecken die ersten Flamingos! Der Strand ist ganz weiß und super schön mit der Insel im Hintergrund. Nur der Wind ist wieder etwas lästig…


Wir fahren doch noch ein Stück weiter zu einem Platz, der auf Google Maps vielversprechend aussah und es wohl auch mal war, allerdings steht nun ein Verbotsschild bei der Zufahrt zu den besonders schönen Plätzen. Nicht ganz schlimm, denn wir kommen als erste an und parken uns genau zwischen zwei Büsche, mit dem Buspopo in den Wind und ganz nah ans Wasser. Es ist sehr windig, aber noch sonnig und wir spazieren ein wenig herum. J und Simon gehen sogar spät nochmal raus bis es komplett dunkel wird und klettern über die Felsen. Es kommen noch 3 andere Womos und nachts beginnt es ziemlich zu regnen und hält bis in den Morgen an….



Tag 3
Da der Regen keine großen Morgenspaziergänge zulässt, verlassen wir den Platz schon gegen halb 10, auf der dringenden Suche nach einer Frischwasserquelle und VE Möglichkeit. Im alten Sardinien Führer sind viele Infos leider nicht mehr aktuell, was echt nervig ist. Da wir in der Nähe sind, machen wir einen kurzen Abstecher zu einem der berühmtesten Strände, La Cinta. Es nieselt und windet, aber man kann sich vorstellen dass es schön ist. Allerdings weisen der riesige Parkplatz und das Einbahnstrassensystem für Fußgänger Richtung Strand darauf hin, dass hier im Sommer zu viel los ist.


Noch immer auf der Suche nach Wasser fahren wir dann einen Campingplatz an, da dort auch ein Camper Service angeschrieben steht. Der hat zwar auch noch zu, aber da gerade umgebaut wird, sind viele Leute da und wir können gegen 15€ Gebühr das volle Programm machen und vor allem das Wasser samt Ersatzkanister auffüllen. Danach geht’s keine 100m weiter zum sehr schönen Strand Su Tiriazu und dann gibt es Mittagessen bevor die nochmalige Strandrunde von einem kräftigen Regenschauer verkürzt wird.



Wir wollen eigentlich hoch in die Berge, aber das ist noch weiter als gedacht, also fahren wir den nächsten Platz an. Dort türmt sich meterhoch das Seegras am Strand, aber es gibt Kletterfelsen. Es ist ganz ok, aber noch steigerbar, also fahren wir bald weiter.
Eher zufällig entdecken wir dann auf Google Maps den Strand von Berchida, den man über eine knapp 4km lange Schotterpiste durch sehr schöne Landschaft erreicht. Am Ende befindet sich ein sehr weitläufiger Parkplatz, auf dem sich die zahlreichen Womos (vor allem Deutsche) sehr gut verteilen. Der Strand von Berchida grenzt nördlich an die Strände und den Park an, in den keine Womos und nur eine begrenzte Zahl Fahrzeuge insgesamt jeden Tag dürfen. Vielleicht lag es am Abendlicht, aber ich fand es einen der schönsten Strände überhaupt. Gar nix zugebaut, Flamingos im Botten, wunderschön und weitläufig. Die Kinder stacksen wie die Flamingos durch die flache Lagune und haben einen Riesen Spaß, zum Wasser zu laufen und wieder rauf, bevor einen die Wellen erwischen. Klappt so semi. 😂






Bis Ende Mai kostet der Platz nicht mal was, aber ein fliegender Händler wartet am Morgen schon auf die Womobilisten, um ihnen Käse, Salami oder Wein (in Plastikflaschen) zu verkaufen. Für ein sehr großes Stück Käse und 1,5l Cannonau zahlt Simon 25€. Ist ok. 😉👍🏻
Tag 4
In der Nacht hat es gewindet und geregnet und auch in der Früh kam noch der ein oder andere Schauer durch. Aber nach dem Frühstück waren die Bedingungen ideal für einen schönen Strandspaziergang mit Kletterpartie, bevor wir wieder aufbrachen in Richtung Orsolei. Dort ging es schnell in den Supermarkt und anschließend direkt vor an Strand zu einem kleinen Mittagessen und bisschen Auslauf.
Danach ging es hoch in die Berge durchs Gennargentu Massiv, vorbei an der Gorropuschlucht, in die wir 2019 schon mal hinter gewandert sind. Die Straße schlängelt sich in vielen Kurven auf bis zu 760m hoch und die Aussicht über die Berge und Wälder ist wirklich super.



Einen Zwischenstopp machen wir am Monte Lopena, wo wir kurz hochlaufen und sogar einen Regenbogen sehen, bevor es weiter geht bis Baunei, von wo aus wir uns in ein paar sehr engen und steilen Serpentinen hochkämpfen auf ein Hochplateau, wo wir wieder eine mini Wanderung machen wollen. Aber erst mal Esel streicheln! Überall laufen hier Esel, Schweine und Kühe rum. Wir sind dann nur die erste kleine Schlaufe der Wanderung gelaufen. Die Kinder fanden besonders den Ausblick in das sehr tiefe Karstloch spannend. Zum Glück war es mit einem Zaun gesichert und man konnte von einer Art Balkon hinunterschauen. Mir wird es da trotzdem immer ganz anders. Es ist wohl das tiefste Karstloch Europas mit 270m Tiefe.
Wir sind dann noch ein bisschen rumgefahren, um einen Schlafplatz zu finden und die kleine Kapelle anzuschauen und ein bisschen Offroad Erfahrung zu sammeln in Richtung Cala Sisine. Aber wir entschieden dann doch noch im Hellen umzudrehen und zum Wanderparkplatz bei den Eseln zurückzufahren und dort zu übernachten.









Tag 5
Das Wetter ist super und wir verbringen den ganzen Vormittag bei den Eseln, Schweinen und Schildkröten! J ist seelig, er wollte schon lange „wilde“ Schildkröten in freier Natur sehen.
Am späten Vormittag fahren wir weiter bis Lotzorai, wo wir in der Nähe zu einer sehr alten Steinsiedlung aus der Bronzezeit wollen und uns sehr freuen, dass das Gelände frei zugänglich ist. Da E eingeschlafen ist, gehe ich mit J vor und erkunde das Gebiet, das mit Heckenrosen und Lavendel überall erblüht. Die Weglein sind ziemlich zugewachsen und unsere kurzen Hosen bereuen wir schnell mit schlimmen Kratzern an den Beinen. Aber die 15 in Stein gehauenen Höhlen? Gräber? Sind wirklich spannend und J saust nur so durch die Gegend. E und Simon treffen wir dann auch noch, die später gestartet sind und einen größeren Teil dann weglassen.






Danach ein Einkauf und wieder Mittagessen am Cea Strand, wo wir zufällig 2019 auch schon mal waren. Da war das Meer allerdings sehr stürmisch und nicht so schön blau.
J buddelt im Sand, findet einen Freund und wir fahren erst gegen vier Uhr weiter in Richtung Campingplatz Coccorocci, wo wir um viertel nach fünf ankommen, endlich unsere Müllberge loswerden und noch einen guten Platz in Spielplatz- und Strandausgangsnähe finden, wo wir für die nächsten drei Tage unsere Base aufbauen. Den Campingplatz Coccorocci haben wir bei unserer Elternzeitreise 2021 entdeckt und das Geräusch, das das Meer macht, wenn es die Kiesel am Strand rollt, ist einfach so schön. 🤩 Außerdem macht es riesigen Spaß, die perfekten Steine für den Garten zu Hause zu suchen und möglichst so einzupacken, dass Simon es nicht merkt. 🤣


Tag 6 und 7
Wir verbringen zwei gemütliche Tage auf dem Campingplatz und freuen uns über die hohen und lauten Wellen am Kieselstrand. Wir spazieren zu den roten Kletterfelsen, wo ich dann mit E umdrehe und J mit Simon noch weitergeht. J lernt am Spielplatz ein nettes Mädchen kennen und die treffen sie auch auf der Wanderung nochmal.







Es liegt leider dauernd viel Saharastaub in der Luft und macht es diesig.
Am Ostersamstag gehen wir nach dem Mittagessen zusammen mit der anderen Familie eine kleine Wanderung zu Gumpen und einem Wasserfall, die wir im Herbst 2021 schon mal gegangen sind, da haben wir’s aber nicht gefunden und es war kaum Wasser im Bach. Dieses Mal hatten wir mehr Glück und eine bessere Beschreibung und die Gumpen sind echt schön. Gut dass niemand in der ersten gleich gebadet hat, denn zwei Gumpen weiter oben „schwamm“ ein toter Fuchs 😵💫. Wir haben dann weiter oben lange Pause gemacht und fast alle haben sich im Wasser erfrischt bevor es zurückging.


Abends hat das CP Restaurant aufgemacht und wir waren alle zusammen noch Pizza essen und die Kinder gehen spät ins Bett.
Über Nacht war der Osterhase da (was für ein Glück, dass er uns immer im Urlaub findet) und bringt viel Schoki. Wir frühstücken und fangen das Packen an, bevor wir zusammen mit den anderen Eltern in der Bar noch einen Cappuccino trinken, während die Kids sich auf dem Spielplatz austoben. Es ist sehr voll über Ostern, weil auch so viele Italiener da sind.


Nach einem letzten kurzen Spaziergang zu den Kletterfelsen fahren wir um kurz vor halb 3 los Richtung Inland. Wir Gurken ein bisschen durch die bergige Gegend und finden einen tollen Nachtplatz an einem Canyon, wo wir auch mal die Drohne steigen lassen.



Weiter geht’s bald in Teil 2. 🙂