Berge und Täler

(3.Reisebericht vom 8.8. bis 11.8.)

Der Mittwochmorgen am Campingplatz startet für uns wie üblich mit Porridge und für Johannes gibts neben den Heidelbeeren seine erste Birne. Scheint zu schmecken. Trotz Solarpanel ist unser Kühlschrank fast warm, die Batterie ist wohl kaputt. So ein Mist!! Da wir aber meistens tagsüber Sonne haben, geht es mit dem Strom.

Wir starten unsere Wanderung zum Mauvoisin Stausee, schon um kurz nach 9 gehts los, meist steil bergauf durch ein schönes Tal mit vielen kleinen Wasserfällen. IMG_6713IMAG4943

Um 10:15 Uhr sind wir oben beim Hotel, wo die meisten Leute einfach rauffahren und dann nur noch die letzten Meter zur Staumauer hochgehen, 30 Minuten sind es angeblich.

Wir folgen einem Wegabschnitt in den Berg hinein, dem Winterweg nach oben. Es ist fast stockfinster und das Szenario aus einem Horrorfilm oder einem Computerspiel. Erst ein langer Flur gerade aus, dann steil hoch und als man denkt jetzt ist man endlich oben, kommt noch ein endloser Gang steil hoch. Das schlägt mir auf die Stimmung. Ich bin nicht gerne in engen dunklen Räumen unter der Erde. Johannes schläft die ganze Zeit und ist zum Glück warm angezogen. Ich kriege langsam Panik und will raus. Kennt ihr das Gefühl? Brrr… IMAG4947IMAG4950IMAG4955

Endlich wieder am Tageslicht angelangt, befinden wir uns immer noch unterhalb der Mauer, aber wir finden zum Glück den Weg nach oben! IMG_6716IMG_6717IMG_6718

Dort erwartet uns ein toller milchig grauer See mit wunderschöner Bergkulisse rundum und ein Wasserfall, der mit sehr viel Power den Stausee speist. IMAG4959IMAG4965IMG_6724IMG_6729IMAG4992IMAG5003IMAG5007

Ein Stück gehen wir noch den Wanderweg am Ufer entlang und machen dann wieder auf der Staumauer unsere Pause, wo Johannes ein bisschen krabbeln kann. IMAG5012Da ich dummerweise beim Zampacken in der Früh die Windeln vergessen habe, spreche ich eine andere Mama an und lerne das frz. Wort für Windel (une couche). Sie hat eine dabei und der Abstieg ist gerettet. Runter gehts flott und wir ärgern uns nicht mehr, dass wir nicht bis oben gefahren sind. Würden wir höchstens machen, wenn wir dann mal den ganzen Stausee umrunden, aber das machen wir wann anders. Johannes schläft erst wieder ein, als wir schon am Campingplatz sind, dafür dann aber noch ein Weilchen länger – in der Kraxe scheint es wirklich bequem zu sein. Ich nutze die kurze Auszeit und mache Mittagessen und Kaffee und gehe gleich noch duschen. Dann füllt Simon noch das Wasser auf und kümmert sich um die Entsorgung, bevor es wieder ins Tal geht. Dort müssen wir dringend mal tanken (das Ständige Rauf und Runterfahren geht auf den Tank) und einen kleinen Einkauf machen für eine Brotzeit.

Anschließend fahren wir dann hoch ins Val d’Herens, einem weiteren Seitental des Rhone-Tals, wo wir im Womoführer einen Stellplatz gefunden haben. Ein Liftparkplatz, im Sommer ungenutzt. Außer uns keiner da, hmm. Es gibt keine Verbotsschilder, wie wir sie schon öfters direkt an Plätzen gesehen haben, aber untem im Ort stand irgendwo campen verboten bei 500CHF Strafe. Als ein Auto in der Nähe stehen bleibt, frag ich einfach mal nach und der Mann (kam aus dem Ort) meinte kein Problem. Na dann, Prinzip Hoffnung. Wir lassen uns die Brotzeit schmecken.

Am Donnerstag sind wir schon um kurz nach 6 wach, frühstücken und trinken Kaffee, es ist sonnig und wir verspüren keinen Drang zur Eile. Johannes wird um 8 wieder müde, schläft aber dank unseren neuen Vorhängen, die den Schlafteil hinten abdunkeln nochmal bis 9 weiter. (Danke nochmal liebe Resi fürs Nähen!!) Die Zeit nutze ich, um den letzten Blogeintrag fertig zu machen und online zu stellen.

Danach fahren wir in Richtung Arolla weiter in das Tal hinauf und starten erst um 11 Uhr die kleine Wanderung zum Lac Bleu. Die Parkplätze links und rechts neben der Straße sind schon gut voll und es ist wirklich viel los, vor allem im Vergleich zu sonst. Die Wanderung ist auch eher ein 40 minütiger sehr steiler Spaziergang, zu dem wir trotzdem Wanderschuhe und Stöcke tragen. IMG_6730

Die Ausblicke ins Tal und die umliegenden Berge und Gletscher sind wieder traumhaft, auch wenn die Sonne sich dann doch mal hinter ein paar Wolken versteckt. IMAG5019IMG_6732IMG_6734

Oben erwartet uns ein kleiner, sehr schöner See, der Lac Bleu. Es ist wirklich einiges los, aber jeder sucht und findet ein Plätzchen und so verteilt sich das Ganze. Wir kraxeln noch einen Hügel hinauf und freuen uns über den Ausblick, den wir beim Brotzeitmachen haben. IMAG5025IMAG5027IMG_6736IMG_6740

Dabei werden wir von zwei herumschwirrenden Drohnen genervt. Wir grüßen freundlich in den Himmel… vielleicht kaufen wir uns doch keine. Wenn so viele Leute da sind, lässt man die aber doch auch nicht steigen oder?

Johannes verschläft diesen Teil (zum Glück) wieder und kriegt anschließend aber auch noch seinen Brei und ein paar Gurkensticks. IMAG5028IMAG5037IMAG5042~2IMAG5048IMAG5058IMG_6744

Anschließend umrunden wir das Blauseeli noch für ein paar Fotos und weil es nach Regen aussieht, steigen wir ab. IMAG5066IMAG5073~2IMAG5078IMG_6750IMG_6762

Mit Wanderschuhen und Stöcken auf dem sandigen steilen Boden kein Problem. Vor uns geht eine junge Frau allerdings in Adiletten. In ADILETTEN!!!! Das geht einfach nicht mit gesundem Menschenverstand. Wir sind schon unten am Bus und räumen ein, als sie an uns vorbeikommt. Ihre Knie sind aufgeschlagen und auch an der Schulter hat sie Schürfspuren… eieiei.

Für unseren Kaffee und ein leckeres Stück Blaubeertarte, das ich am Morgen beim Bäcker einfach mitkaufen musste, fahren wir noch bis nach Arolla und genießen beides mit Ausblick auf den Gletscher. Simon erfindet das Sockenmonster und Johannes hat viel Spaß. IMAG5090IMAG5097IMAG5104

Zum Bleiben ist es noch zu früh, auch wenn es hier viele Wanderungen gäbe, aber wir entscheiden uns weiterzufahren. Johannes ist so müde, er schläft fast bis zum nächsten Ziel, dem Lötschental. Als wir fast im Rhonetal unten sind, sehen wir den Regen in dicken Schwaden heranziehen und es sieht nach Gewitter aus. IMG_6765IMG_6766IMG_6767

In Serpentinen winden wir uns wieder nach oben auf der anderen Rhoneseite und es geht Richtung Fafleralp. Ein paar Kurven unterhalb des großen Parkplatzes finden wir einen super Freistehplatz an der Lonza. Es regnet eine Weile, hört aber abends auf. Der Gletscherfluss hat ziemlich Power, es scheint länger geregnet zu haben. Wir stehen aber in sicherer Entfernung. IMAG5109IMAG5112IMAG5114IMG_6778IMG_6782

Am Freitagmorgen fahren wir nach dem obligatorischen Porridge und Kaffee (und Ovomaltine) hoch zum offiziellen Parkplatz. Die Schranke ist kaputt. Gut zu wissen. Es ist noch kühl und wir kommen schon um 8:35 Uhr los, neuer Rekord. Es nebelt. Es wird spannend, wie das Wetter sich entwickeln wird. Unser Ziel ist die Anenhütte mit ca. 2 Stunden Gehzeit einfach und 750hm. Man sieht sie schon am Anfang des Wegs auf einem Felsen neben dem Gletscher thronen, sieht gar nicht so weit aus. IMAG5121IMAG5124IMAG5128IMAG5133IMAG5139IMG_6790

Auf dem Weg ist noch nix los, wir treffen viele freundliche Kühe und die Sonne funkelt durch die Wolken und den Nebel und beschert eine super schöne Stimmung. Immer wieder rollen dicke Nebelschwaden über uns hinweg, aber halten sich nicht lange. Johannes verschläft fast die ganze Tour, so gemütlich ist es in der Kraxe. IMAG5146IMAG5153IMAG5162IMAG5164

Kurz vorm Anstieg zur Anenhütte machen wir einen Abstecher in Richtung Gletschertor, drehen aber bald wieder um, da der Nebel dicker ist und der Weg eher felsig in dieser Richtung. Auf der Hütte später erfahren wir, dass das Gletschertor letzten August zusammengebrochen ist. Kein Wunder, lesen wir doch auf einer Infotafel, dass der Gletscher sich 18m pro Jahr zurückzieht und 4m Dicke verliert. Traurig. IMAG5172IMAG5178IMAG5183IMAG5186IMAG5188IMG_6802IMG_6803

Der Schlussanstieg zur Anenhütte ist zum Glück wieder sonniger und man kann die Gletscherreste im Tal bestaunen. Neben dem Weg wachsen leckere Heidelbeeren, aber es bleibt keine Zeit, welche zu sammeln.

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Die Anenhütte sieht wirklich schick und fancy aus. Sie liegt auf 2358m, wurde 2008 neu erbaut und ist komplett autark. Genaueres könnt ihr bei Interesse auf der verlinkten Homepage nachlesen. Das Personal oben ist sehr nett, die Preise sind… Schweizer Preise mit Aufschlag für die Helikopteranreise der Lebensmittel würd ich sagen.

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Unseren Kaffee und Ovomaltine trinken wir auf der Terrasse und werden von einer dicken Nebelwand eingehüllt, die sich aber auch wieder verzieht. Johannes freut sich über ausgiebiges Krabbeln und wir uns, weil es keine Steinchen oder Moos zum Essen gibt. Seinen Brei machen wir heute warm und er freut sich. Auch wir gönnen uns heute mal was: Lötscher Käseschnitten mit Schinken und Ei für 23,50CHF. Wir teilen sie uns. Denn Picknick mit selbst mitgebrachter Brotzeit ist an der Hütte oben nicht erlaubt. IMG_6819IMAG5242IMAG5248IMAG5250

Nach unten nehmen wir einen anderen, nicht weniger schönen Weg und machen auf einer Wiese neben einem Bächlein dann nochmal Brotzeit, da wir ordentlich was eingepackt haben und es sinnlos wäre, es wieder mit nach unten zu nehmen. IMAG5253~2IMG_6821IMAG5255

Da Simons Außenbandverletzung ihn wieder ein bisschen plagt, trage ich Johannes den letzten Wegabschnitt hinunter. Ich stelle die Kraxe geschwind auf meine Größe ein, aber das Gewicht ist dennoch ordentlich und man braucht auf jeden Fall die Stöcke, um das Ganze auszubalancieren. Klappt aber gut und ich würde mich sicher auch schnell dran gewöhnen.IMG_6829IMAG5265IMAG5272IMG_6831

Die Sonne scheint während des ganzen Abstiegs und das Tal ist wirklich mega schön, auch von weiter oben betrachtet. Um halb 3 sind wir wieder unten und parken um in die Ecke am Fluss, die frei wird, als ein Wohnwagengespann abfährt. Alle drei sind wir müde und schlafen und chillen ein bisschen. Abends koche ich ein Kichererbsencurry, das nicht ganz so gut schmeckt wie daheim, weil Joghurt, Limette und Koriander fehlen, aber Hauptsache mal wieder ein anderer Geschmack.

Wir beschließen hier oben auf dem Parkplatz zu nächtigen und sind auch nicht die einzigen. Es gibt zwar direkt nebenan einen Campingplatz, aber der ist sehr eng und voll, das muss ja nicht sein. Lieber wollen wir die Parkgebühr für 1,5 Tage bezahlen, wohl wissend, dass das vermutlich aber auch nicht ganz legal ist. IMAG5278IMAG5288

Am Samstag sind wir noch nicht so ganz wach, als wir durch einen direkt am anderen Flussufer landenden Helikopter geweckt werden. Er wird in 2 Flügen Lebensmittel zur Anenhütte hochfliegen und Müll wieder mit runter bringen. Das ist natürlich mega spannend für Johannes und er betrachtet alles ganz genau durchs Fenster hinten.

Danach gibt es Frühstück und es ist sonnig und herrlich draußen. Wir chillen noch ein bisschen. Als Johannes fast wieder zu seinem Vormittagsschläfchen einschläft, wird er nochmal durch Helikopterlärm geweckt. Dieses Mal ist es Air Zermatt und nicht mehr Glacier Air und der Heli ist auch viel größer und fliegt auch zweimal zur Anenhütte und zurück.

Johannes ist danach nicht mehr in Schlaflaune, aber das ist nicht so schlimm, da wir um kurz nach 11 Uhr aufbrechen und er dann im Auto ein bisschen schläft.

Unser nächstes Ziel ist ein noch zu bestimmender Campingplatz, da wir dann nach so langer Zeit doch mal wieder Wasser brauchen und entleeren müssen. Es gäbe zwar noch weitere Seitentäler des Rhone-Tals, aber wir lassen sie aus. Die Tourihochburg Zermatt sowieso, auch wenn es etwas schade ist, dass wir den höchsten Berg der Schweiz nicht zu Gesicht bekommen.

Wir fahren weiter Richtung Brig. Der erste angefahrene Campingplatz ist geschlossen, der zweite komplett überlaufen. Wir gehen erst mal einkaufen, die Milch und das Gemüse sind alle. IMAG5292IMAG5300

In dem beschaulichen Örtchen Reckingen finden wir dann aber einen wunderschönen Campingplatz mit dem passenden Namen „Augenstern“ direkt an der noch jungen Rhone und schlagen unser Lager auf. Nach drei Tagen Wandern sind jetzt erst mal Pause und krabbeln auf der Wiese angesagt. Außerdem gibt es WLAN.

Weiter gehts demnächst… 🙂

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