Von Kühen und hohen Bergen

(2. Reisetagebuch vom 5.8. – 7.8)

Noch ein kleiner Fotonachtrag vorab zum Samstagabend von unserem Nachtplatz auf dem Col de la Croix:IMG_6589IMG_6594IMAG4692

Am Sonntagmorgen erwachen wir bei bestem Wetter und nach einem leckeren Porridge-mit-Obst Frühstück können wir schon um kurz nach 9 Uhr zu einer Wanderung aufbrechen, es gibt ja genügend in der Gegend.

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Wir folgen einem kleinen Pfad bergauf und genießen die spektakuläre Bergkulisse in allen Richtungen. Durch Wäldchen gehen wir und über Wiesen, die von Elektrozäunen umsäumt sind, weil es hier soviele Kühe gibt.

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Als wir von weiter weg eine Kuhherde sehen, scherzen wir noch, dass es aussieht als würde eine der Kühe eine Ansprache halten. Bei genauerem Betrachten aus der Ferne erkennen wir aber, dass sich die Kühe um eine am Boden liegende Kuh sammeln, die ziemlich tot daliegt. Ja gar grotesk comic mäßig mit den Beinen in Starre zur Seite ausgestreckt. Wer jetzt nochmal das Bild von vorher genauer anschaut, kann es vielleicht erkennen. Wers noch nicht gesehen hat und lieber drauf verzichtet, sollte es lassen. Ich habe das Bild auch nur gemacht, weil wir es jemandem zeigen wollten, denn die Kuh kann da ja wohl nicht den ganzen Sommer so liegen bleiben? Was uns aber wirklich auffiel war, dass der Rest der Herde zu trauern schien und ihr nicht von der Seite wich. Und wie kommt so eine tote Kuh von einer unwegsamen Alp? Wird sie vom Hubschrauber geholt? Viele unbeantwortete Fragen so früh am Morgen…

Wir verließen das Szenario und steigen weiter bergauf, wo wir mehrfach über oder unter Elektrozäune kraxeln, weil wir seit dem Kuhvorfall am Soinsee keinen Kühen mehr trauen.

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Oben angelangt, sehen wir schon von fern einen Bauern einen Zaun flicken und ich freue mich, da er bezüglich der verstorbenen Kuh genau der richtige Ansprechpartner ist (und ich auch noch mein Französisch wieder auspacken kann: la vache est morte usw.) Wir zeigen ihm das Foto und beschreiben wo sie liegt. Es ist nicht seine Kuh, aber er wird es weitergeben. Vielleicht hat sie der Blitz getroffen meint er, da es ja am Tag zuvor ein Gewitter gegeben hat. Da ihm beim Zaunflicken mehrere Kühe quasi über die Schulter schauen, frage ich ihn noch, ob die Kühe hier nicht agressiv sind und er meint nur wenn sie Kälber dabeihaben vielleicht. Na gut. IMAG4723IMG_6617IMG_6619

Wir wandern weiter. Ich traue ihnen aber immer noch nicht und als wir später wirklich an einer Gruppe Mutterkühen auf unserem Weg vorbeikommen, weichen wir nach oben ins Gestrüpp aus. Man muss sein Glück ja nicht herausfordern.

Nach 2 Stunden sind wir wieder am Parkplatz, der mittlerweile brechend voll ist. Aber es ist ja auch Sonntag und von dort gehen viele Wanderwege los. Ob die anderen Leute wohl auch die tote Kuh sehen und sich dieselben Fragen stellen wie wir?

Wir kochen auf jeden Fall noch und fahren dann gemütlich los. Johannes ist etwas unleidig und scheint die nächsten Zähnchen zu bekommen. Armer Tropf!

Wir peilen als nächstes den Ausgangspunkt für eine kleine Schluchtenwanderung am Fluss an, weil das schön kühl klingt und auf dem Weg liegt. Aber als wir ankommen hat es 34 Grad und es ist kein Parkplatz frei. Besonders verlockend sieht es auch nicht aus und Johannes ist gerade nicht in Stimmung. Wir machen aber eine Pause auf einer Wiese nebenan und er krabbelt ein bisschen im Schatten und der Wind macht es ganz erträglich. IMG_6628

Ein paar Kilometer weiter in Martigny fahren wir an einem Brunnen vorbei und halten im Schatten direkt daneben. Wir mussten eh dringend Wasser auffüllen, perfekt! Frisches Bergquellwasser, besser gehts nicht! Zum Abkühlen hab ich mir auch gleich noch die Haare nass gemacht. IMAG4727

Eine nette Wandertruppe kam vorbei und erfrischte sich ebenso. Die Damen meinten, dass man an seinen roten Bäckchen sehen würde, dass Johannes zahnt. Vielleicht Zeit, das Bernsteinketterl wieder anzulegen?

Wir fahren weiter ins Val Ferret. Raus aus der Hitze und hoch zu den Gletschern. Schon aus dem Auto und bei nur mäßigem Wetter hier oben sind die Berge beeindruckend (ca. 3900m hoch sind sie). Da noch immer Sonntag ist (ja, der gleiche Tag wie am Anfang dieses Blogs) geht es hier noch zu wie Sau. La Fouly scheint der Touri Wander-Ausgangs-Ort schlechthin zu sein, aber hat auch direkten Gletscherblick.

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Und unser morgiges Wanderziel ist als sehr populär beschrieben. Wir fahren noch höher und finden einen super Freistehplatz mit bester Aussicht. Aber sowas von!

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Simon geht nach dem Essen mit Johannes in der Kraxe nochmal ein paar Schritte spazieren, bis es doch zu regnen anfängt.

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Wir parken dann nochmal um, um auf Nummer sicher zu gehen, dass wir nicht abrutschen. Es ist zum Glück nur ein kleines Gewitter, auch wenn der Donner hier oben gewaltig klingt. Danach färbt der Himmel sich noch rosa und wir staunen wieder wie schön es hier ist.

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Am Montagmorgen sind wir früh wach und es ist noch ziemlich frisch, aber klar und sonnig draußen. So um die 11 Grad in etwa hat es. IMAG4764IMAG4765IMAG4768

Bis wir unseren Kaffee und unser Porridge intus haben, dauert es natürlich wieder und wir parken auch noch um, bevor wir um 9 Uhr loswandern, gleich an diversen Murmeltierbauten vorbei.

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Fast zeitgleich startet eine fünfköpfige niederländische Familie, wo die Kinder geschätzt 6-10 Jahre alt sind.

Unser aller Ziel sind die Lacs de Fenetre. Die Wanderung dorthin wird im Womo-Führer als eine der schönsten und beliebtesten im Val Ferret bezeichnet, weswegen sie zu späterer Stunde auch gut frequentiert ist, aber da gehen wir schon wieder hinab. Aber erst geht es gut 700hm in 2 Stunden hinauf und man kann es nachvollziehen, wieso hier wohl oft viel los ist. Die Kulisse ist spektakulär!!

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Unterwegs treffen wir die Holländerin und ich frage sie, was sie gemacht hat, dass alle drei Kinder so motiviert sind, auf den Berg zu gehen. Und sie meinte, das gleiche wie wir, schon in der Kraxe mit dem Baby auf den Berg. Yeah. Und ein Foto von uns dreien hat sie auch noch gemacht.

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Je höher wir kommen, desto mehr andere Berge tun sich auf. Wir sind in unmittelbarer Nachbarschaft zum Mont Blanc und die Gipfel, die wir sehen sind gut über 4000m hoch.

Der letzte Abschnitt zum See zieht sich und es wird wirklich anstrengend. Aber um kurz nach 11 sind wir oben und machen eine längere Pause.

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Johannes schläft zum Glück erstmal noch solang, bis wir unsere Brotzeit verputzen und kriegt dann selber Brei und Gurke, bevor er ein bisschen über die Wiese krabbelt. Auf 2456m sind wir hier oben. Deswegen bleiben wir auch nicht unnötig lange, da die Höhensonne doch stärker ist. Das Bad im See lassen wir aus. Die niederländischen Kinder sind da härter im Nehmen. 😉

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Um halb 2 sind wir wieder unten am Bus und ich mache uns Pfannkuchen. Von denen kriegt auch Johannes schon welche ab und er hat sichtlich Freude daran, sie zu verspeisen. IMAG4859.jpg

Danach duschen wir und chillen ein bisschen, weil wir beschließen nochmal am selben Platz wie am Tag zuvor zu übernachten und der ist ja quasi in Sichtweite. Am Wanderparkplatz selber ist campen leider verboten.

Es beginnt dann auch bald zu regnen. Wir kochen noch und gehen früh ins Bett.

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Der Dienstagmorgen beginnt für uns schon um kurz nach 6 und es ist wieder ziemlich kalt aber sonnig. IMAG4871IMAG4873IMAG4879IMAG4885

Wir trinken erst mal zwei Kaffee und fahren dann runter nach La Fouly, dem schon erwähnten Touriort, von dem aus diverse Sportarten und geführte Wandertouren angeboten werden. Wir kommen um kurz vor 8 an, der Supermarkt macht um 8 auf. Perfekt. Zum Frühstück gibt es frisches Brot. Milch wollten wir auch noch kaufen, aber die frische kommt erst um 10 Uhr. Mist.

Nach dem Frühstück gehe ich mit meinem Laptop ins Touriinfobüro, wo es gratis Wlan gibt und lade den ersten Blog hoch. Obwohl ich alles vorbereitet und verkleinert auf dem Laptop hatte, dauert es ewig… aber man kann dem bunten internationalen Treiben zusehen. Mulis werden bepackt und laufen dann vor einer Gruppe Wanderer her, die in einer Mehrtagestour den Mont Blanc umrunden wollen. Johannes findest das alles sehr spannend. Um 10 hole ich noch 2 frische Milch und eine Packung Merguez und bin knapp 10CHF los.

Danach fahren wir wieder runter ins Tal, um im Nachbartal wieder rauf zu fahren. Val Bagnes, bis kurz vorm Mauvoisin Stausee, wo ich kürzlich auf instagram einen sehr putzigen Campingplatz entdeckt habe. Ich hatte ihn Simon schon daheim gezeigt und er wollte auch gerne hinfahren. Der Camping les Mélèzes liegt am Fluss zwischen Bäumen und man kann sich selber seinen Platz suchen. Einige haben Strom, Tische oder einen Grill und es gibt überall Brunnen mit Quellwasser. An der Rezeption ist keiner da um 12 und wir suchen uns selber einen freien Platz, was kein Problem ist, weil nicht viel los ist. Generell stehen hier eher Pkw mit Zelt oder VW Busse. Unser Ducato ist der größte hier… hat aber den Nachteil, dass wir an manche coole Plätze nicht rankommen. Aber jetzt haben wir uns neben ein paar großen Steinen ausgebreitet und die Markise ausgefahren und mit Decken und Teppichen eine Krabbel- und Spielwiese für Johannes gebaut. Heute wird mal nicht gewandert, sondern nur gechillt.

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Als Johannes müde wird, packen wir den Kinderwagen aus (ja, der ist doch wieder dabei…) und wageln durch den Campingplatz. Simon baut am Flussufer das größte Steinmännchen, während ich Johannes zum Einschlafen bringe.

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Als wir wieder zurück am Platz sind, steht ein alter VW Bus neben uns und seine Besitzer weisen uns darauf hin, dass sie diesen Platz doch für heute und morgen reserviert hätten. Meeh. Am Nummerntaferl stand nix, aber vorne bei der Rezeption gäbe es wohl eine Liste. Wir lassen uns Zeit beim Vorlaufen und Nachschauen. Johannes schläft schließlich noch. Aber es hilft alles nix und wir parken um. Von der 43 auf die 45. keine Felsen, aber auch nicht schlecht.

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Johannes zieht sich ständig am Hocker oder am Womoeingang hoch und steht manchmal schon einige Sekunden ohne sich festzuhalten. Verrückt! Da sind die Eltern so stolz… bis er 10 Sekunden später von der Decke krabbelt und sich wieder Steinchen oder Gras in den Mund steckt…

Abends regnet es wieder mit ein bisschen Gewitter, aber nicht tragisch. Am Mittwoch wollen wir zum Stausee hochwandern.

Davon werde ich im nächsten Blogeintrag berichten.

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Und hier kommt Teil 3.

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