(1. Reisetagebuch vom 1.8. – 4.8.)
Diese Frage stellten wir uns vor dem diesjährigen Sommerurlaub und wir konnten uns wirklich lange nicht entscheiden. Ich erspare euch jetzt detaillierte Abwägungsprozesse und möchte auflösen: es ist die Schweiz geworden. Ja, da waren wir schon letztes Jahr, aber das war an Pfingsten und da war ich ja schwanger und durfte nicht höher als 2000m. Außerdem wollten wir dieses Mal die Westschweiz bereisen. Das Berner Oberland und Wallis sehen vielversprechend aus!
Damit Johannes sich vielleicht im Auto ein bisschen wohler fühlt, haben wir kürzlich von der Babyschale schon auf einen neuen Reboarder gewechselt. Und nicht nur das, wir haben gegen die Hitze auch noch eine clima-cool Sitzauflage gekauft und ihm einen 12V Ventilator überm Kopf installiert. Top.


Und da er mittlerweile nicht nur krabbelt wie ein Weltmeister, sondern sich auch hochzieht und steht, musste hinten fürs Bett auch noch eine andere Lösung her. Simon ist da ja fix und hat aus dem Womo-Hochbett die Kindersicherung abgebaut und hinten mit einem Brett wieder hin gebaut. Ein bisschen wackelig, aber funktioniert bestens! Und ist kein schlechtes Training für den kleinen Klettermax.

Wie das mit einem geplanten 3 Wochen Womo-Urlaub so ist, dauert das Einpacken natürlich seine Zeit. Den Großeinkauf haben wir schon am Dienstag erledigt und auch schon im Womo verstaut. Und am Mittwoch haben wir dann gefühlt den ganzen Tag in der krassen Hitze eingepackt… uff! Erst am Abend gegen 19 Uhr sind wir losgefahren, aber doch nochmal schnell hin zu Rossmann, weil Simon seine in Bosa neu gekaufte Sonnenbrille nicht mehr gefunden hat, und einen günstigen Ersatz suchte… Gerade als er rauskam, begann es zu regnen und es zog ein so heftiges Unwetter über uns weg, dass wir in Kirchseeon nochmal anhielten und uns mit dem Womo unter ein paar Bäume stellten, damit die neue Solaranlage nicht gleich einen Hagelschaden bekommt. Die Solaranlage soll dazu beitragen, uns noch autarker zu machen damit wir die Batterie nicht ständig durch Locationwechseln aufladen müssen…
Ursprünglich wollten wir bis zum Bodensee kommen, aber das war nicht so wichtig. Ich hab mir unterwegs noch die Park4Night App runtergeladen und einen Monat offline Modus gebucht. So haben wir dann nahe der Autobahn bei Buchloe einen Stellplatz am Waldrand gefunden, wo man die Autobahn zwar hörte, aber erst so ab 4 Uhr wurde es lauter. Vorher war es freilich noch so warm, dass tiefes Schlafen ohnehin nicht drin war.

Am Donnerstagmorgen sah ich meinen ersten Sonnenaufgang seit langem! Wir sind dann auch ohne Frühstück gleich los und bis Lindau gefahren, wo wir schon um 8 Uhr waren und erstmal einen Bäcker aufsuchten und auf einem Parkplatz lecker frühstückten, bis der Euronics um 9 Uhr aufmachte. Wir hatten gehofft, dort noch einen zweiten 12V Ventilator zu ergattern, aber Pustekuchen. Simon hat dann noch bei einem Autoteilehändler angerufen, der auch keine hatte und dann sind wir auf gut Glück zum ATU schon in Österreich gefahren und haben für 5€ einen erstanden. Der klebt jetzt mit Gaffatape fixiert hinten überm Bett. Läuft.
Für den Grenzübergang bei Sankt Margarethen hatten wir uns schon vorab überlegt, wo genau wir denn in Italien hinfahren wollen, falls es Probleme beim Zoll wegen unserer Unmengen an eingeführten Lebensmittel geben sollte. Gab es aber nicht. Wir haben uns dann sogar für 40€ die Schweiz Vignette gekauft, damit wir auch die Autobahnen nutzen können. Die gilt für ganz 2018 noch. Trotzdem für einen 3 Wochen Urlaub total teuer, aber vielleicht fahren ja meine Schwiegereltern doch auch noch in die Schweiz.
Auf der Autobahn merkt man dann auch gleich, dass das Geld reinvestiert wird und es gibt soviele Baustellen, dass man schwer den Überblick behält, welche Spur jetzt die richtige ist… Wenn einen dann auch noch das Navi im Stich lässt…. dann landet man in der Berner Innenstadt, obwohl man eigentlich schon ein anderes Ziel eingegeben hatte. Scheint aber schön zu sein dieses Bern. Ein paar Schritte geh ich auch bei 34 Grad Außentemperatur und hole uns doch etwas Bargeld in der Landeswährung. Gut, dass Simon ein offline Navi auf dem Handy hat, weil ich dank O2 in der Schweiz keine (bezahlbaren) mobilen Daten habe und das Handy im Flugmodus verbleibt.
Von Bern aus peilen wir nun mit den richtigen Koordinaten einen Stellplatz an, der auf den ersten Blick nicht überzeugt, weil gerade noch Überreste eines Bierzeltes usw. vom Feiertag davor beseitigt werden. Wir machen trotzdem erstmal Brotzeit. Im Womo-Führer stand aber auch noch ein Wanderparkplatz ein paar hundert Meter weiter oben drin, den wir dann als Ausgangspunkt für eine kleine Bergrunde wählen. Johannes hat für den Urlaub auch noch eine neue Kraxe bekommen, weil er in der Babytrage direkt am Körper viel zu sehr schwitzt.

Die erste Testrunde gehen wir also gegen 18:00 Uhr los, das Licht ist schon annehmbar und die Berghänge sehen super aus. 








Die Formation der 7 Hengste beeindruckt und die kleine Tour macht wirklich Laune. Johannes scheint die Kraxe zu mögen und schläft auch nach dem Absetzen noch ein Weilchen weiter.


Danach stellen wir uns doch nochmal auf die untere Wiese zum Bach, weil es ein sauberes Klo gibt und man einen schöneren Ausblick hat. Die Nacht kostet 4 Franken. Der Nachteil ist, dass es unfassbar viele Fliegen gibt und ich da schonmal zur Berserkerin werden kann, weil mich die so aufregen. Gut, dass Simon neben einer Sonnenbrille beim Rossmann auch noch eine Fliegenklatsche gekauft hat. Um die 30-40 Stück erlege ich noch vor dem zu Bett gehen… Zum Schlafen ist es angenehm kühl.



Da Johannes erst später ins Bett gegangen ist, schläft er am nächsten Tag auch etwas länger. Um 9 Uhr kochen wir unser Porridge und treffen spontan den Entschluss, ein „bisschen“ zu wandern, Richtung Senkli. Diese „ein bisschen“ Touren sind typisch für uns und schwups, sind wir 3 Stunden unterwegs insgesamt.



War aber wieder eine schöne Sache und wir sind oben doch nicht zum Senkli, sondern ein Stück weiter rechts hoch gelaufen, wie es uns die nette Almfrau gesagt hat und haben im Schatten einer kleinen alten Hütte ein Päuschen mit super Aussicht gemacht.


Wieder unten am Parkplatz angekommen, war ein prima Schattenplatz direkt vor dem Lädli und da außer uns keiner da war und das Lädli zu hatte, haben wir mit unserer Decke den Platz okkupiert und Mittag gegessen und Johannes rumkrabbeln lassen.


Erst um kurz nach 15 Uhr brechen wir auf Richtung Thunsee. Wegen einer großen Baustelle innerorts irren wir ohne Navi etwas wirr durch die Gegend, freuen uns aber weil die Stadt Thun sehr schön zu sein scheint. Die Aare fließt durch und wie beim Eisbach in München lassen sich ganz viele Leute von einer Brücke aus durch die ganze Stadt treiben. Sah herrlich erfrischend aus. Viel besser als der Eisbach, ganz ehrlich!

Die Suche nach einem Badeplatz mit Parkplatz für unser Womo war nicht so einfach, fast bis Interlaken sind wir gefahren. Das Ufer ist zugeparkt aber es gibt keinen Schatten und auch keine Liegeflächen. Nach dreimaligem Hin und Her haben wir Glück und ein perfekter Platz mit viel Schatten direkt am See wird frei! Jetzt wird gebadet! Das war dringend nötig. Was für ein toller See! Gefällt mir besser als der Gardasee…

Für die Nachtplatzsuche fahren wir erst nach Beatenberg hoch, wo die Aussicht zwar super war auf die hohen Berge (Junfrau, Mönch, Eiger) rüber und auch der See war zu sehen, aber Simon war nicht ganz zufrieden, da der Ort an sich doch recht zugebaut war. Also ging es weiter nochmal 8km ins Justital. Nicht weit, aber eine ziemlich fiese enge Straße, wo Simon sichtlich erleichtert war, dass uns keiner entgegen kam. Uffz!
Der Platz, den wir gefunden haben, war das Umparken wert. Eine wahnsinns Bergkulisse und noch dazu eine kleine Wiese für Johannes zum Krabbeln und Spielen. Die Temperatur war auch sehr angenehm.






Am Samstagmorgen genehmigen wir uns zwei Kaffee, aber erst mal kein Frühstück. Die Straße hinunter ist schmal, aber mit tollen Ausblicken auf den Thunsee gespickt.



Wir fahren als nächstes nach Frutigen und holen erst mal Semmeln vom Bäcker. Im Womo Führer haben wir eine Hängebrücke entdeckt und wollen hinwandern. Eine Stunde Gehzeit am Fluss entlang ohne nennenswerte Höhenmeter klingt auch bei Hitze machbar. Ausgangspunkt wäre der Campingplatz, aber da dürfen wir nicht parken. Ein großer leerer Parkplatz vor einer Art Kirche sieht aber prima aus und wir fragen, ob wir uns hinstellen dürfen, weil eigentlich Halteverbot ist. Kein Problem.
Also los und zum Glück oft im Schatten am Fluss entlang. Hoch geht’s dann nur zur Hängebrücke kurz. Eine Privatbrücke und man darf etwas spenden. 2 Franken machen wir. Die Überquerung ist nicht ohne, nach unten schauen ist nicht so die gute Idee. Simon dreht sogar nochmal um und überlegt es sich bzw. packt die Wanderstöcke weg, damit er sich besser festhalten kann. Ich wollte dann auch schon kurz kneifen, weil das Gefühl in der Mitte der Brücke zu stehen schon grenzwertig ist, aber wir sind dann doch beide drüber. Puh! War aber auch gut, weil am anderen Ende eine kleine putzige Hütte kalte Getränke und u.a. leckeren Zitronenkuchen verkauft und es gibt Schatten. Für Johannes haben wir Gurke und ein Gläschen dabei. An diesem Ufer gehen wir dann auch wieder zurück.








Da Johannes bei unserer Ankunft noch schläft in der Kraxe, überlegen wir, wo es als nächstes hingehen soll und da es uns zu heiß ist, fahren wir Richtung Berge. Die 3000er bei Gstaad ragen vor uns in den Himmel, sind aber noch von Wolken umgeben, da wohl kurz vorher ein Gewitter war. Unser Ziel ist der Col de la Croix, ein angeblich super schöner Freistehplatz auf einem Pass mit Bergblick.


Naja fast. Leider hat man hier eine abgebaute Liftanlage deponiert, die das Gesamtbild ziemlich trübt. Aber als die Wolken sich verziehen und die Abendsonne rauskommt, kann man darüber hinwegsehen und wir bleiben gerne hier und wollen am Sonntag eine Wanderung machen.





