Ab in den Osten

Nach dem letzten Blogeintrag, den ich noch in den Dünen verfasst habe, stand uns unvermeidlich ein Fahrtag bevor. Schließlich wollten wir die letzten paar Tage unserer Reise noch im Osten der Insel verbringen. Um die 180km, teilweise über Autobahn, mussten wir zurücklegen. Eigentlich nicht so viel, aber wer hier aufmerksam mitliest weiß, dass Johannes nicht immer in bester Autofahrlaune ist und man doch öfters Pausen einlegen muss. Erst Mal ist er aber nach gefühlt 100m Sandpiste gleich eingeschlafen.

Erster Minizwischenstop aber ohne Aussteigen war die alte Minenstadt, in der bis ca. 1940 irgendwelche Erze abgebaut und dann eben über Schienen mit den Loren (siehe letzter Blogeintrag) zum Meer transportiert wurden. Sah auf jeden Fall beeindruckend aus die ganze Gegend!

Bei der anschließenden Durchquerung der Insel fiel uns immer wieder auf, wie grün und bunt Sardinien gerade ist. Soviele Blumenwiesen und dann die Korkeichen dazwischen!

Bilderbuch! Pfingsten ist wohl wirklich die perfekte Reisezeit (bis auf die Mücken) und es ist echt so wenig los!

Am frühen Nachmittag machten wir nach einem Tankstop Pause bei einem großen Supermarkt, in dem praktischerweise ein Pizzabäcker gleich am Eingang ist. Also haben wir schon vorm Einkauf zwei Pizzen bestellt, mit der Zeitvorgabe ca. 10 Minuten. Mein Fehler. Da waren wir beim Einkauf doch ein bisschen in Hektik. Aber die Pizzen waren trotzdem noch warm und ausgesprochen lecker. Haben sie relativ zackig draußen aufm Parkplatz im Womo verputzt, weil dann schon Brei-Time für Johannes angesagt war.

Heute hätte es eigentlich weiße Karotte geben sollen, aber das war wohl so gar nicht seins und wir mussten das Füttern kurzerhand trotz Sonne nach draußen verlegen. Johannes fand es sehr spaßig, den Brei wieder rauszuprusten. Prima. Ich wollte ihn dann mit „normaler“ Karotte verschonen, das einzig andere was wir noch dahatten. Also nochmal in den Supermarkt rein, und schauen was die Italiener so an ihre Babies verfüttern. Keine besonders große Auswahl, aber 4 verschiedene Sorten hab ich mal gekauft für die nächsten Tage. Den hier aber nicht:

Zucchini und Rind (zwei einzelne Glaserl) fand er aber auch ungenießbar (kann ich nachvollziehen, habs auch probiert…) und deswegen haben wirs dann für dieses Mal gelassen und uns lieber wieder auf den Weg gemacht Richtung Orgosolo.

Das ist bekannt für seine vielen murales, die meistens einen politischen Hintergrund haben und eine Form leisen Protests sein sollen. Eigentlich wollten wir einen kleinen Spaziergang machen und uns die Malereien anschauen, aber die Gassen waren so schmal, dass es wirklich schwer war mit dem Womo durchzukommen und dann verging uns die Lust doch und wir fuhren einen Campingplatz 3km nördlich aus dem Womo-Führer an.

Nach dem Abzweig von der größeren Straße begrüßte uns erst mal eine Gruppe junger Rinder, bevor wir kurz später vor einem grünen verschlossenen Tor standen. Na toll, geschlossen! War unser erster Gedanke, aber man konnte ein paar Womos und drei ältere Herrschaften sehen. Also Tor aufgemacht, reingefahren, zugemacht und nachgefragt. Alles Deutsche. Sie meinten, dass schon offen wäre, aber wohl die Besitzer ausgeflogen seien. Wir sollen uns doch herstellen und sie zeigten uns, wo Strom ist und wo die Duschen usw sind. Der Platz war super, zwischen lauter Lorbeerbäumen und schattig und vorne gab es einen Aussichtspunkt auf Orgosolo und das Supramonte Gebirge. Eigentlich ist der Campingplatz wohl nur das Anhängsel des Restaurants, das wohl sehr gut sein soll. So gut, dass mittags anscheinend mehrere Reisebusse zum Essen da waren. Wir werden es wann anders testen müssen, weil auch später keiner der Besitzer auftaucht und wir selber kochen.

Mit einem netten jungen Paar aus Flensburg kamen wir noch ins Ratschen und haben ihnen ein paar unserer Freistehplätze an der Westküste verraten. Außerdem haben wir festgestellt, dass wir am nächsten Tag dieselbe Wanderung (Rother, Tour 29) gehen würden.

Am nächsten Morgen tauchten dann auch die Campingplatzbesitzer auf und wir konnten unsere 15€ noch loswerden, bevor wir für unsere Verhältnisse früh um 9:30 Uhr aufbrachen.

Die Anfahrt zur Wanderung geht durch eine der schönsten Hochebenen Sardiniens. Aber hallo! Wir können uns gar nicht satt sehen: Riesige Eichen, Kühe, Schafe, Pferde, alles blüht, kleine Flüsse – wahnsinn! Und irgendwie biblisch. Das Wort mag Simon gerne für solche Kulissen. Aber hier passts!

600m vorm Wanderparkplatz steht ein kleines Womo aus Pfaffenhofen auf einem tollen Freistehplatz, den wir uns für ein ander Mal merken und in unserer Karte markieren. Das Womo der Flensburger ist auch schon da. Wir gehen im Tshirt los und nehmen Käse und Salami als Brotzeit mit. Brot selber haben wir nicht. Da die Route blau (also einfach) ist, reichen Turnschuhe. 3 Stunden sind veranschlagt und wir brechen um kurz nach 10 auf.

Eine herrliche Tour! Ist ja auch als Top-Tour markiert. Wir spazieren durch diese epische Landschaft, treffen Esel und Kühe. Als Simon kurz ausrutscht, um einer Gruppe Kühe auszuweichen (wir haben da beim Wandern mal schlechte Erfahrungen gemacht), schrecken wir eine Gruppe Schweine auf, die eilig das Weite sucht. Wir kommen vorbei an Brunnen, Steinhäuschen, noch mehr Eseln und diesen wunderschönen alten Eichen. Was die wohl schon alles gesehen haben?

Unser Ziel ist der Monte Nuovo San Giovanni, der wie ein Tafelberg steil aus der Landschaft ragt. Das Wetter hat sich mittlerweile verzogen und es sieht leider nach Regen aus. Der Schlussanstieg ist steil und es geht über Treppen nach oben. Felstürme erinnern an die Sächsische Schweiz, wo wir auch mal hinwollen.

Auf dem Gipfel treffen wir die Flensburger, die besser ausgerüstet sind als wir, da wir oben doch etwas frösteln. Der Rundumblick ist traumhaft, aber wir machen unsere kleine Brotzeit in der Schutzhütte, in der es leider sehr zieht, weil 2 Fensterlein fehlen. Also schnell wieder runter, zumindest vom Gipfel.

Der Rückweg auf dem Forstweg ist nicht sehr spannend und wir sind um 1 wieder am Auto. Selten, dass wir die angegebene Zeit (3 Stunden) einhalten. Pünktlich zur Brei-Time also. Gefüttert wird wieder draussen und ich habe erfreulicherweise doch noch ein Glaserl Kürbis in der Schublade entdeckt, das Johannes gerne verspeist. Für uns gibt es Spaghetti Carbonara und noch ein Schläfchen hinterher, bevor wir wieder durch die Idylle der Hochebene zurück Richtung Ogosolo und dann weiter an die Küste fahren.

Ein Stellplatz am Strand unter Pinien klang im Womoführer perfekt, aber leider war die Zufahrt für Womos mittlerweile gesperrt, weswegen sich an die zehn Stück auf dem Parkplatz vor dem Brücklein zusammengepfercht haben. Nein danke!

Auch an einem anderen Platz haben wir kein Glück, schon die Zufahrtsstraße ist für Womos gesperrt. Ein Stellplatz an einem Kloster, nicht am Strand sondern am Fluss, ist noch in der Nähe und kurz dahinter entdecke ich bei google Maps einen potentiellen Freistehplatz in Meernähe. Dass Camping entlang der ganzen Küste hier wohl verboten ist, habe ich auf italienisch geraten, aber die Schotterpiste, bei der ich sogar aussteigen und die Unterbodenfreiheit überprüfen muss, wird wohl nicht so häufig befahren um die Jahreszeit. Wir stehen alleine, mit Blick aufs Meer durch die Schiebetüre. Passt. Es ist ja auch schon abends und es gibt Brotzeit, bevor wir noch ans Wasser runtergehen.

Ich mache ein paar Fotos von der untergehenden Sonne zwischen den Pinien und Simon zeigt Johannes die Wellen. Eine größere kommt überraschend und Johannes erschrickt ziemlich. Das Meer ist ihm noch nicht so ganz geheuer.

Zurück im Womo genießen wir durch das Moskitonetz den Blick aufs Meer, während an die 30-50 Mücken am Moskitonetz den Blick auf uns genießen. Wir versuchen alle wegzuklopfen und schnell die Tür zuzumachen, müssen aber dennoch vorm Schlafen noch 11 Mistviecher erledigen, die es doch nach drinnen geschafft haben.

Am nächsten Morgen besucht uns schon früh wieder ein Käseverkäufer und wir nehmen nochmal ein Stück mit für zu Hause, genauso wie eine Flasche Olivenöl, das aber in eine Wasserflasche umgefüllt war. 20€ aber dafür war ja der Platz umsonst und wir wollen ja das Camperimage aufbessern… trotzdem kommen wir uns ein bisschen abgezockt vor. Aber dafür haben wir Käse.

Bis wir aufbrechen ist es wie sooft 11 Uhr und es wird langsam Zeit einen Schattenplatz aufzusuchen. Für die letzte Nacht wollen wir uns einen Campingplatz zwischen Pinien am Meer suchen. Simon kennt einen gar nicht soweit weg. Ist zwar recht voll, aber sehr schön angelegt alles. Ich dusche schnellstmöglich ausführlich.

Nach dem Mittagessen und der Brei-Time (dieses Mal gab es erfolgreich Karotte und sogar ein bisschen Rind, gefüttert vom Papa) gehen wir vor an den Strand. Simon schwimmt, Johannes wird nass und findets total doof. Wir chillen dann lieber in der Strandmuschel und schlafen sogar ein.

Zurück am Bus wird Johannes mit zwei Töpfen warmen Wasser im Stehen geduscht. War lange überfällig. So können wir ihn guten Gewissens mit zum Pizzaessen nehmen. Er kriegt sogar ein Stückchen Pizzarand, an dem er lange rumlutscht.

Danach ist er ziemlich platt und schläft bald ein. Leider immer nur kurze Etappen lang, sodass ich mich nicht weit entfernen kann. Aber das ist ok. Ich fange noch ein paar Mücken und mit diesem Blogbeitrag an.

Zum Frühstück holt Simon frische Semmeln. Lecker!

Gegen 10 gehts dann nochmal kurz vor an den noch fast menschenleeren Strand. Simon schwimmt eine letzte Runde.

Danach müssen wir ein bisschen Gas geben und alles einräumen und kommen um 12 los. 28€ hat die Nacht gekostet, echt wenig eigentlich so nah am Meer und inkl. Strom und all you can shower.

Bis Olbia sind es nur 50km und wir steuern noch einen Supermarkt an bevor es auf die Fähre geht. Ein paar Leckerlis für ein italienisches Geburtstagsfrühstück am Sonntag. Um 14:15 sollen wir am Hafen sein. Wir sind pünktlich. Die Fähre leider nicht.

Erst um kurz vor 4 kommen wir an Board. Immerhin noch recht am Anfang der Menschenmassen und wir haben freie Platzwahl. Eigentlich wollte ich gerne eine Kabine und meine Ruhe, vor allem auch um ein bisschen zu schlafen, da wir erst gehen 11 abends ankommen und dann eigentlich noch möglichst viele Kilometer in der Nacht fahren wollen, während Johannes im Sitz schläft. In der Theorie zumindest…

Jetzt haben wir einen Vierertisch mit einer Bank, wo hoffentlich wenigstens einer von uns nachher schläft. Leider auf der Westseite, so dass noch bis halb 9 die Sonne reinscheinen wird… aber dafür sehen wir dann den Sonnenuntergang. Zur Abwechslung haben wir die Wippe mitgenommen und stellen sie auf den Tisch, wo Johannes gleich mal Gas gibt. Zwischenzeitlich konnte Simon in Erfahrung bringen, dass eine Kabine 75€ kostet (was total ok wäre) aber dass man sie schon um 9 wieder räumen müsste. Obwohl wir erst gegen 11 ankommen. So ein Schmarrn… dann müsste man sich ja nochmal einen Platz suchen… pffffff

Da das der letzte Blogeintrag für diesen Urlaub ist, wird es noch Zeit für ein kleines Fazit. Simon war ja schon vor dem Urlaub ein Sardinien Fan, aber jetzt bin ich auch einer. Mehr von der Westküste allerdings, da man da besser freistehen kann. Wir kommen auf jeden Fall wieder, es gibt noch soviel zu entdecken! Vielleicht schon nächstes Jahr spontan an Ostern, wenn die Wettervorhersage gut ist. Da gibt es dann auch noch nicht soviele Mücken, das wäre fein.

Jetzt hab ich mittlerweile ja auch kapiert, was ich bei O2 (Scheißverein) umstellen muss, um mehr als 1GB zu haben. Von der sogenannten EU-Roaming Flat (mit eben genau 1GB) muss man auf Roaming Basic Paket umstellen, um sein Inlandsdatenvolumen auch im Ausland gratis nutzen zu können. Von selber machen die das natürlich nicht…

So geht das Bloggen auch einfacher, weil ich die Fotos nicht extra noch auf das macbook ziehe, um sie zu verkleinern, sondern direkt vom Handy aus hochladen kann. Macht gleich mehr Spaß!

An dieser Stelle möchte ich gerne noch ein großes Danke an Simon sagen, der den ganzen Urlaub über gefahren ist, immer ganz leckeres Porridge zum Frühstück gekocht hat und den Kaffee dazu gleich mit. Danke auch fürs Abendessen kochen und den Abwasch machen täglich. Danke fürs ums V/E kümmern!

Und noch ein paar random facts zum Schluss:

  • Auf Sardinien sagt man salve
  • Den Kinderwagen haben wir absolut nicht gebraucht und Simon hat sich jeden Tag drüber aufgeregt, wieviel Platz er wegnimmt
  • Den Grill haben wir auch nur einmal benutzt
  • Khruangbin sind eine super Autofahr-Band
  • Unser liebstes Urlaubslied war allerdings von Arcade Fire – Put your money on me
  • Ich hatte mal wieder zuviele (warme) Klamotten dabei, die ich nie anhatte
  • Ichnusa Limone schmeckt 1:1 wie Gösser Radler
  • Ingesamt sind wir ca 2500km gefahren
  • Auf Sardinien fährt gefühlt jeder zweite einen alten Fiat Panda

Danke auch an alle fürs Mitlesen und bis zum nächsten Urlaub oder Ausflug!

Ein Gedanke zu “Ab in den Osten

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