Auch Regen kann sehr schön sein

Obwohl man die nahegelegene Straße von unserem Platz aus doch etwas gehört hat, war die 1. Nacht auf Sardinien ganz in Ordnung. Da ich ja um anzukommen und um Johannes einen Tag ohne Fahrerei zu ermöglichen, gleich zwei Tage am Stück auf dem Campingplatz bleiben wollte, ließen wir den Pfingstmontag gemütlich angehen.

Simon hat uns aus dem Minimarkt erst mal frische Semmeln geholt und wir haben den Tisch und die Stühle draußen aufgebaut und gemütlich gefrühstückt.

Danach hab ich mich auf eine ausgiebige heiße Dusche gefreut, die aber leider defekt war und ich hab mich nur zum eiskalten Haarewaschen zamreissen können. Brrr…

Es sah dann schon nach Regen aus, der auch ab mittags sogar mit Gewitter angesagt war, aber irgendwie sind wir trotzdem um kurz vor 12 aufgebrochen in Richtung Strand, schließlich will man im Urlaub nicht nur dumm im Womo rumsitzen, vor allem ohne Aussicht…

Schon beim ersten Blick auf den Strand erspähte Simon mehrere Womos in der Ferne und war total neidisch, dass die so einen tollen Freistehplatz haben und wir ja noch eine Nacht auf dem Campingplatz „gefangen“ waren.

Der Strand selber war schön, aber leider teilweise voller Plastik, das das Meer angeschwemmt hatte. Da ja Pfingsten auf Sardinien noch totale Nebensaison ist, hat das auch noch keiner aufgeräumt.

Das türkise Wasser, für das die Insel so berühmt ist, konnte man bei dem Wetter leider nur erahnen.

Prompt fing es auch zu regnen an und wir entschlossen uns zurückzulaufen, Wasser aufzufüllen, das Klo auszuleeren (ja das gehört auch dazu, bin aber froh und dankbar, dass Simon den Job immer übernimmt) und dann auszuchecken und nett zu fragen, ob wir denn mit einem kleinen Aufpreis davonkämen, da wir eigentlich um 12 den Platz hätten räumen müssen. Simon hat noch schnell lauwarm geduscht und in der Zwischenzeit begann ein richtiger Wolkenbruch, während dessen man zwar nicht raus kann, aber eine bessere Aussicht ist möglich. Netterweise mussten wir nicht draufzahlen und durften so fahren.

Ungefähr einen Kilometer weiter bogen wir scharf rechts ab und kamen auf die teils ausgespülte Schotterpiste, die vor zu besagtem Womostellplatz führte. Kein Verbotsschild, juhu! Erst ab dem 15.6. darf man nur von 8-20 Uhr da stehen. Ein Hoch auf die Nebensaison!

Nach 2 Umpark-Versuchen fanden wir einen super ebenen Platz mit wahnsinniger Aussicht aufs Meer! Hier kann mans aushalten, auch bei Regen.

Der Regen machte zwischenzeitlich auch die ein oder andere Pause und wir dann nochmal einen Spaziergang an den saubereren Strand, der das Titelbild des Womo-Führers für Sardinien ziert. Spiaggi Rena Majori oder so.

Danach wird deftig gekocht und wir warten auf den Sonnenuntergang, bei dem die Sonne sich nur kurz blicken ließ, in der Zeit aber alles in wahnsinnig schönes Licht zauberte.

Neben uns war noch ein schwarzer Zwillingsbruder von unserem Bus angekommen und insgesamt waren über Nacht wohl 8-10 Womos und VW-Busse da, alle aus Deutschland.

Der Dienstag begann nach einer richtig guten ruhigen Nacht leicht bewölkt und mit Müsli, das Johannes schon sehr interessierte, wie eigentlich alles was wir essen und trinken. Zeit für Beikost! Aber dazu später mehr.

Zu den Wohnmobilen gesellte sich schon ein kleines weißes Kühlauto, als die meisten noch schliefen. Ein Sarde, der Simon als er grade draußen war, Käse verkaufen wollte. Simon lehnte erst mal ab, aber wenn wir schon für den Platz nichts bezahlen, wollten wir doch etwas Gutes tun und gleichzeitig die Akzeptanz der Leute gegenüber Freicampern steigern. Und Käse wollten wir auch. Ziege und Schaf hatte der gute Mann dabei und bohrte zwei neue Laibe an, um uns probieren zu lassen. Feini! Die Kilopreise (18 und 21€/kg) nannte er uns vorab und ich meinte ich habe genau 15€ dabei. Er hat dann zwei recht große Stücke runtergeschnitten, mit seiner analogen Handbalkenwaage (?) abgewogen und dann im Taschenrechner 16€ rausgebracht. Was ein Zufall. Mit 15€ war er zufrieden. Wir sollen den Käse nur in dieser Papiertüte lagern und nicht im Kühlschrank. Hält ewig. Werden wir aber nicht rausfinden, weil wir den vorher schon essen.

Und wie das so ist, wenn einer einmal den Anfang macht, trauen sich die anderen auch ran und der Gute hat noch einiges von seinem Käse an die anderen Camper verkauft. Ein Schlaufuchs!

Endlich kamen mit der Sonne dann auch die leuchtenden Türkistöne zum Vorschein, die man am Vortag nur erahnen konnte. Schnell ein paar Fotos gemacht, weil das nächste Regenband schon im Anmarsch war.

Deswegen entschieden wir uns dann doch auch aufzubrechen und weiter zu fahren, aber den Stellplatz merken wir uns für einen anderen Sardinienurlaub.

Ziel war eine Wanderung aus dem Rother Wanderführer Sardinien, die Simon rausgesucht hatte, weil sie auf der Route Richtung Süden lag. 30km Fahrt, auf der Johannes zum Glück selig schlief.

Erst mal aber ein mini Zwischenstop im Supermarkt von Costa Paradiso für die Brotzeit mittags. Käse pur ist zwar toll, aber auf frischen Semmeln und mit ein paar Tomaten und Oliven ist er noch besser!

Zum Ausgangspunkt für die Tour Nummer 5 ging es ein paar Kilometer über eine grenzwertige Schotterpiste, mit den neuen Reifen hinten aber kein Problem. Da es immer noch regnete hatten wir keine Hektik und fanden es war an der Zeit für Johannes mit Brei anzufangen. Den hatten wir vorm Urlaub nach einem Gespräch mit meiner Hebamme zur Beikosteinführung noch gekauft: Pastinake, weiße Karotte, normale Karotte und Kürbis. Alles Bio natürlich. Lätzchen und Bambusschälchen und Löffelchen hatten wir auch dabei, also konnte es ja losgehen.

War lustig. Und eine Sauerei. Aber dennoch erfolgreich, wir glauben ihm hats geschmeckt. Pastinake zumindest. Das farbigere Gemüse heben wir uns auf bis wir draußen im Hochstuhl füttern können, sonst sinkt der Wiederverkaufswert vom Bus drastisch.

Danach essen wir erst unsere Brotzeit und weil es immer noch oft regnet, gibt es auch noch einen Kaffee und ein Mittagsschläfchen, aber mal wieder mit tollem Ausblick zur Küste runter.

Um 3 brechen wir dann doch auf, haben aber zum Glück Regenjacken und einen Schirm dabei, was wir leider alles gleich brauchen. Der Weg nach unten ist extrem ausgeschwemmt und wegen des Regens überlegen wir kurz umzudrehen. Aber weil wir ja nicht aus Zucker sind und es schon wieder heller wird gehen wir weiter.

Es stellte sich als beste Entscheidung raus, denn der Strand war menschenleer und auch bei bedecktem Hinmel sowas von wunderschön! Mit Kieseln in allen Größen und Farben (konnte mich gar nicht entscheiden, welchen ich mitnehme) umgeben von den roten Felsen. Danke für den super Tipp lieber Rother Wanderführer!!

Johannes hat leider alles verschlafen…

Auch an diesem Strand gab es Ecken, wo das Meer Plastik angeschwemmt hat und Simon beschloss kurzerhand eine leere Plastikflasche mitzunehmen. Ich meinte erst was das bringen soll, weil ja noch soviele rumliegen. Aber irgendwie hat er schon Recht. Wenn jeder Mensch jeden Tag eine leere Plastikflasche aufheben und entsorgen würde, dann wären die Strände schnell sauber. Er hat sogar überlegt, einen Hashtag dazu zu etablieren, aber wir arbeiten noch an der Formulierung. #mydailyplastic ist noch nicht ganz ideal, oder was meint ihr?

Auf dem Weg zurück kam dann die Sonne raus und machte alles nochmal schöner. Der Nachteil an der Wanderung war nur, dass man auf dem Rückweg den anstrengenden bergauf Teil hat, aber heute hat Simon zum Glück unseren Spatz getragen.

Da der Ausblick zur Schiebetür raus auf die Küste und sogar bis nach Korsika rüber so gigantisch war, beschlossen wir, nicht mehr lange rumzusuchen, sondern den Bus an Ort und Stelle vorne aufzubocken und schon waren wir gerade. Top!

So ein Ausblick beim Kochen ist ein Träumchen!

Sardinien, du gefälltst mir wirklich sehr gut!

Hier gehts weiter zu Teil 3: Vanlife is better at the beach

Ein Gedanke zu “Auch Regen kann sehr schön sein

Hinterlasse einen Kommentar